{"id":3358,"date":"2020-06-01T07:17:06","date_gmt":"2020-06-01T07:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.echurch-mmberg.de\/?p=3358"},"modified":"2020-06-01T07:17:06","modified_gmt":"2020-06-01T07:17:06","slug":"was-will-das-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/?p=3358","title":{"rendered":"Was will das werden?"},"content":{"rendered":"<p><i>Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?<\/i> <i>(Apostelgeschichte 2,12) <\/i>Es ist Pfingsten, 50 Tage nach Ostern schon, gef\u00fchlt noch viel l\u00e4nger. Denn hinter uns liegen nun schon weit mehr als 50 Tage Kontaktverbot und viele andere Einschr\u00e4nkungen. Einige Lockerungen hat es schon gegeben. Einige sind entsetzt \u00fcber allzu forsche R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t. Andere emp\u00f6ren sich, weil es ihnen nicht schnell genug geht. Gemeinsam haben wir mit den J\u00fcngern eines: <i>Sie waren alle ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?<\/i><\/p>\n<p>Die Leute, die damals in Jerusalem zu Pfingsten versammelt waren, m\u00fcssen sich nicht um eine Begrenzung der Teilnehmerzahl k\u00fcmmern, im Gegenteil, sie sind ja froh, dass \u00fcberhaupt noch welche von ihnen \u00fcbrig sind. Sie sitzen oben im Haus im Obergescho\u00df mit niedriger Decke und alle T\u00fcren fest verschlossen. Die Luft drinnen ist entsprechend. Menschen, die atmen und sprechen und schwitzen und beten, in einem geschlossenen Raum, ohne ausreichend Abstand. Bedr\u00fcckend, eng und dumpf und stickig f\u00fchlt es sich an.<\/p>\n<p><i>Und es geschah pl\u00f6tzlich ein Brausen vom Himmel, wie von einem gewaltigen Sturm und erf\u00fcllte das ganze Haus, in dem sie sa\u00dfen. <\/i>Sie haben den Wind schon h\u00f6ren k\u00f6nnen, wie er die Treppe hinaufsauste und sich mit der T\u00fcr in den Raum im Obergescho\u00df warf. Sie haben sein Brausen geh\u00f6rt und das Schlagen der T\u00fcr. Er war auf ihrem Gesicht, auf der Stirn und in ihren Haaren, k\u00fchl, als k\u00e4me er vom Meer und so dass man tief einatmen m\u00f6chte, diesen frischen Wind.<\/p>\n<p>Und wo gerade noch ein Wind ihre Stirnen gek\u00fchlt hatte, wurde es pl\u00f6tzlich hei\u00df und hell und es stieg ihnen rot in die Wangen. <i>Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen. (Apostelgeschichte 2,2+3)p<\/i><\/p>\n<p>Kalt und hei\u00df war ihnen jetzt, abwechselnd und gleichzeitig, so hei\u00df, dass sie unbedingt diesen engen Raum verlassen mussten, sofort, unverz\u00fcglich, die Treppe hinunter, in heiliger Unordnung und alle zusammen. Und sich wiederfanden drau\u00dfen vor dem Haus, immer noch wie umbraust, mit k\u00fchler Stirn und roten Wangen gleichzeitig.<\/p>\n<p>Ein beachtlicher Menschenauflauf entstand vor diesem Haus und alle sehr aufgeregt. Das ergibt Aufsehen in der Stadt, da kommt man doch mal und schaut, was los ist. Eine nicht genehmigte Versammlung, eine Art Demonstration vielleicht? Die da vor dem Haus sind wirklich au\u00dfer sich geraten, sogar \u00fcber ihre Sprachkenntnisse hinaus.<br \/>\n<i>Wie h\u00f6ren wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache, Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Jud\u00e4a und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, \u00c4gypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und R\u00f6mer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir h\u00f6ren sie in unsern Sprachen die gro\u00dfen Taten Gottes verk\u00fcnden. (Apostelgeschichte 2,8-11)<\/i><\/p>\n<p>Als h\u00e4tten die Zungen wie von Feuer nicht nur die Wangen rot gemacht, sondern auch die Menschenzungen sprachkundig, flink und lebendig. So k\u00f6nnen sie nicht nur alle zungenbrecherischen Namen dieser L\u00e4nder und V\u00f6lker flie\u00dfend aussprechen, sondern beherrschen auch noch die passenden Sprachen dazu: Hebr\u00e4isch, Griechisch, Lateinisch und Arabisch samt allen regionalen Dialekten. Es gibt keine Fremdsprachen mehr, es gibt nur noch Muttersprachler. Es gibt keine Fremdheit mehr. Es gibt nur noch Verstehen.<\/p>\n<p>Auch wir haben in den letzten Wochen immer besser verstanden. Alle Menschen, in unserem Land und in der ganzen Welt, verstehen pl\u00f6tzlich: Wir haben unser Leben nicht in der Hand. Es gibt Dinge, die wir nicht beeinflussen k\u00f6nnen. Die Welt ist ein komplizierter und gef\u00e4hrlicher Ort. Wir sind vielen Unw\u00e4gbarkeiten ausgesetzt, Krankheit ist nur eine davon. Und dass wir leiden und sterben, geh\u00f6rt zu unserem Menschsein.<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger in Jerusalem und auch wir wussten das eigentlich schon vorher. Kalt und hei\u00df war es ihnen geworden in der Zeit mit Jesus. Dann war das irgendwie vorbei und sie zogen sich wieder zur\u00fcck und wollten sich selbst genug sein. Deswegen kommt Gottes Geist zu ihnen und jagt sie aus dem Haus, die Treppe runter auf die Stra\u00dfe. Da stehen sie nun. Da stehen wir, mit k\u00fchlen Stirnen und roten Wangen, mitten in der Welt, in der eine globale, weltumspannende Krise aus allen Menschen Br\u00fcder und Schwestern macht. Oder besser gesagt: Machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><i>Was will das werden?<\/i> Man kann sich das wirklich fragen. Und sich zugleich wundern \u00fcber manche Probleme hier bei uns: Haben wir in unserem Land keine gr\u00f6\u00dfere Sorgen als die, ob wir bald wieder essen gehen, Fu\u00dfball gucken und im Sommer in den Urlaub fahren k\u00f6nnen?<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>In Jerusalem konnten sie pl\u00f6tzlich in allen Sprachen von Gottes gro\u00dfen Taten erz\u00e4hlen. In einer anderen Sprache zu sprechen bedeutet: Sich auf die Denkweise, Lebensweise, Kultur und Sorgen der Menschen, die diese Sprache sprechen, einstellen. Das tut Gott und das will er von uns.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Wenn es gut geht, dann macht die Corona-Krise uns mit anderen Sprachr\u00e4umen bekannt und vielleicht sogar sprachf\u00e4higer. Wir haben z.B. erfahren von Kindern, die die letzten Wochen weitgehend vor dem Fernseher verbracht haben, ohne Ansprache und F\u00f6rderung in Kitas und Schulen. Wir h\u00f6rten die Stimme der Menschen, die aus ihren ohnehin unsicheren und schlecht bezahlten Arbeitsverh\u00e4ltnissen herausgeflogen sind oder sich nach der Arbeit im Schlachthof in der Sammelunterkunft angesteckt haben.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren, dass in Berlin in wenigen Wochen ein nagelneues, perfekt ausgestattetes Notkrankenhaus mit 500 Notfallbetten aufgebaut wurde. Aber zur gleichen Zeit haben Menschen anderswo auf der Welt \u00fcberhaupt keine medizinische Versorgung.<\/p>\n<p>Die Armen und Schwachen kommen aus anderen Milieus als wir. Sie leben woanders auf der Welt, sie sprechen andere Sprachen. Aber sie sind keine Fremden. Der Geist von Pfingsten verbindet uns mit ihnen. Er macht uns die Stirn k\u00fchl, damit wir erkennen, was falsch l\u00e4uft in unserer Welt. Und er macht uns das Herz hei\u00df und die Wangen rot. Damit wir handeln und vielleicht sogar &#8211; wie die J\u00fcnger &#8211; auf die Stra\u00dfe gehen.<a href=\"https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-scaled.jpeg\" rel=\"lightbox[3358]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3359 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-2048x1536.jpeg 2048w, https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-268x200.jpeg 268w, https:\/\/www.echurch-mmberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/IMG_7792-700x525.jpeg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 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