40

40 Tage dauert die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. 40 Jahre wanderte das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste. 40 Tage verbrachte Jesus in der Wüste bevor er in die Öffentlichkeit trat. 40 – diese Zahl steckt auch in dem Wort Quarantäne. Für Spanier und Italiener ist dieser Zusammenhang sofort einleuchtend. Cuarenta, quaranta heißt 40.

Mehr oder weniger leben wir jetzt alle in Quarantäne. Wir verzichten auf unsere gewohnte Lebensweise. Wir halten uns von anderen fern, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Es ist eine Zeit des Verzichts, eine Karenzzeit (lateinisch carere, verzichten). Die Überdosierung des Digitalen – YouTube, Podcasts, Fernsehen, Netflix, Surfen, Streaming, Skype, Mails, Blogs, Twitter, Isntagram, Facebook – macht den Verzicht nur umso schmerzlicher bewusst. Für zwei Stunden in gemütlicher Runde im Café mit Freunden würde ich gerne eine Woche auf alles Virtuelle verzichten. 

Die körperliche Distanz, die wir gerade einhalten müssen, macht uns bewusst dass wir soziale Wesen sind und auf Blickkontakt, Ansprache und Berührung angewiesen. Aber es ist auch gar nicht so einfach, plötzlich auf engem Raum über lange Zeit mit Familienangehörigen zusammen zu leben. Einerseits können wir es genießen, endlich Zeit füreinander zu haben. Andererseits kann die erzwungene Nähe auch auf die Nerven gehen.

Unser Zuhause gleicht jetzt einem Kloster. In Klöstern gibt es immer eine Kloster-Regel. Aus der Bendediktiner-Regel kann man lernen, wie das geht, jahrzehntelang mit denselben Menschen auf engem Raum zusammen zu leben. Niemand kann z.B. von morgens bis abends miteinander reden. Deswegen gibt es bei den Benediktinern das Schweigegebot. Auch in der Familie tut es gut, wenn man sich nicht den ganzen Tag anspricht, sondern einfach mal Ruhe gibt und in Ruhe lässt.

Außerdem hilft es, dem Tag eine Struktur mit gewssen Ritualen zu geben. Auf Dauer entgleitet uns das Leben, wenn alle nur noch im Schlafanzug herumlaufen und jeder seinem eigenen Rhythmus folgt. Wichtig wäre auch, dass jeder seine eigene kleine abgeschlossen Nische hat, in der ihn niemand stört.

Glaube und Kirche hören nicht auf, wenn es keine Gottesdienste mehr gibt. Im Gebet und in der gegenseitigen Rücksichtnahme und Fürsorge sind wir auch in der Quarantäne miteinander und mit Gott verbunden. In der Corona-Pandemie kann uns ein Schönwetter-Gott nicht helfen. Als Christen glauben wir an einen Gott, der mitleidet, der uns im Leid nahe ist. Wir glauben, dass es über den Tod hinaus eine Geborgenheit bei Gott gibt. Wir glauben, dass das Ganze Leben mit allem Leiden und Hoffen einen Sinn hat.

W.L.